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Historisch informierte Aufführungspraxis

Als Historisch informierte Aufführungspraxis (auch "historische Aufführungspraxis") bezeichnet man die Bemühung, Alte Musik in einem Klangbild wiederzugeben, das dem zur Zeitpunkt ihrer Entstehung nahekommt.

Die Insider-Abkürzung für diese Art, Musik zum Klingen zu bringen, lautet "HIP".

Betroffen sind unter anderem folgende Aspekte:

Die Wahl der Musikinstrumente:
Vielfach wurden früher Instrumente verwendet, die später ausstarben (z. B. Gamben, Zinken, Krummhörner). Diese müssen von Instrumentalisten neu erlernt werden, da die Kontinuität der Lehrtradition unterbrochen ist.

Aber auch heute noch bekannte Instrumente unterschieden sich deutlich von ihren heutigen Formen. Beispielsweise hatten Violinen andere Abmessungen sowie Saiten aus Tierdarm statt aus Metall und wurden mit Bögen gepielt, die anders als heutige geformt waren (gestreckt bis konvex statt konkav), was sich deutlich auf den Klang auswirkt.

Spielweisen und Verhältnis zur Notation: Musikern war es früher weit mehr erlaubt, dem Notentext eigene Verzierungen und Improvisationen hinzuzufügen. Darüberhinaus wurde von den Komponisten generell nicht so akribisch notiert wie in späteren Zeiten.

Es konnte beispielsweise vorausgesetzt werden, dass ausübende Musiker wussten, wie ein Tempowechsel auszuführen war. Der Freiraum für die Verantwortung des Interpreten drückte sich auch in der Generalbass-Technik aus.

Ensemble-Größen: Das spätere, quasi "standardisierte" Orchester gab es noch nicht. Die Aufführungsapparate waren im allgemeinen deutlich kleiner, und ihre Besetzung variierte von Werk zu Werk wie auch von Aufführung zu Aufführung.

Gesangsstimmen: Der frühere intensive Gebrauch von Knabenstimmen oder gar Kastraten stellt die heutige Musikpraxis verständlicherweise vor Probleme.

Daher müssen auch Kompromisse eingegangen und stattdessen Frauenstimmen oder Countertenöre eingesetzt werden. Insgesamt vermutet man, dass die Stimmen früher kleiner waren und weniger Vibrato hatten.

Stimmungssysteme: Ein Thema von großer Wichtigkeit ist Frequenzverhältnis der Töne der Tonleitern untereinander. Ein Werk der Alten Musik mit einem moderneren Stimmungssystem aufzuführen, kann leicht ausreichen, den Charakter des Stücks völlig zu verändern.

Kontext: Gedanken über die ursprüngliche Bestimmung eines Musikwerks fließen ebenfalls in die Interpretation ein.

Raum: Zur historisch informierten Aufführungspraxis gehört auch die Auswahl geeigneter Räume. Oft merkt man alten Musikwerken an, ob sie für einen kleinen und akustisch "trockenen" oder aber einen großen, hallenden Raum geschrieben wurden.

Sehr bedeutend in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass viele Kompositionen ausdrücklich die Ausdehnung des Raums einbeziehen, so z. B. in der Venezianischen Mehrchörigkeit.
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